Interview mit Tamara Hochstetter “older, but better and …”

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„Schöne Dinge können nicht die Welt verändern,

doch für den, der sie schätzt,

machen sie den Alltag besonders“

Tamara Hochstetter, Besitzerin des Salons Hochstetter

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Tamara Hochstetter / fotocredit: Verena Weissmann

Es ist fast als säße ich im Wohnzimmer von Tamara Hochstetter,

nur dass ab und zu Kund*innen hereinkommen, sich umsehen, Gläser, Becher, Vasen, Kerzenständer, Leinentücher, … alles, was den Wohnalltag schöner macht, begutachten, in die Hände nehmen und kaufen.

Ich bin im „Salon Hochstetter“ in der Herrenstrasse 27, gegenüber des Linzer Domplatzes, und sitze auf einem bequemen Sitzmöbel.

Tamara sitzt mir gegenüber auf einer Couch von Hay, im Hintergrund farbige Wände in Rosttönen und in Beige mit Farben von „Farrow & Ball“.

Um mich herum schöne Dinge von Broste Copenhagen, Fermliving, Kristina Dam und anderen (nordischen) Designmarken.

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Die gastfreundliche Tamara und ihren Shop „Salon Hochstetter“ habe ich am ursprünglichen Standort in der Tabakfabrik kennen gelernt. Tamara hat ein paar Ausstellungskolleginnen und mich dort während einer Besprechung für die Messe „maison et objet“ – und dann sogar in Paris – bekocht und bestens versorgt.

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Heute gibt sie mir Antworten auf meine Fragen:

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Interview mit Tamara Hochstetter für die Blogreihe “older, but better and…”:

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1. Liebe Tamara, ich kenne deinen beruflichen Werdegang so gut wie gar nicht.

Ich weiß nur, dass du nicht immer im Interiorbereich und Verkauf tätig warst, und du dich erst mit über 40 selbstständig gemacht hast. Welchen Beruf hast du ursprünglich erlernt? – Beziehungsweise, wie lange gibt es den Salon Hochstetter schon?

Tamara:

den Salon Hochstetter gibt es seit 2014. Mein Erstberuf ist Masseurin; nach der Lehre habe ich allerdings den Beruf gar nicht ausgeübt, sondern ich habe nach dem Lehrabschluss in der Gastronomie „da und dort“ gearbeitet und bin dann im Handel gelandet.

Es war als Kind schon immer mein Wunsch, ein eigenes Geschäft zu besitzen.

Meine Lieblingsspiele waren: einen Verkaufsladen einzurichten und schöne Sachen zu verkaufen, beziehungsweise als zweites – unter dem Tisch meiner Oma – aus Schuhschachteln Häuser für meine Barbies zu bauen und zu gestalten. Das war fast schöner als das Spielen mit den Puppen an sich.  Mit 14 Jahren war mein Berufswunsch, Innenarchitektin zu werden. Meine Mutter wollte mich deshalb sogar nach Hallstatt in die Holzfachschule schicken; dorthin wollte ich aber nicht. Ich muss gestehen, aufgrund meiner schulischen Leistungen legte ich sämtliche höhere Schulen – wovon ich mehrere „versucht“ habe, „ad acta“. Fotografie interessierte mich auch; fand jedoch keine Lehrstelle.

Schon damals zeichnete sich ab:

wenn ein Weg für mich nicht begehbar ist, suche ich mir einen neuen.

– So absolvierte ich eine Massagelehre, arbeitete aber wie gesagt nach dem Abschluss in der Gastronomie, bevor ich in den Handel kam.

Eher durch Zufall entdeckte ich einen Job als Verkäuferin.

1990, als “die Arkade” in Linz eröffnet wurde, hatte ich die Chance, im Team von „Lia Peroni“ mitzuarbeiten; nach einem halben Jahr kam ich dann in die Filiale „Bottega“ in der Bismarckstraße. Ich lernte meinen Mann Heinz Hochstetter kennen und gemeinsam eröffneten wir 1998 unser erstes Geschäft, das „H8“ in der Herrenstraße in Linz. – Einen Laden, wo wir Wohnaccessoires in einem sehr hochpreisigen Segment verkauften. Heinz ist gelernter Tischler und war damals auch mit Partnern auf Büro- und Objekteinrichtung spezialisiert. Das „H8“ führten wir sieben Jahre, bis unsere Tochter Luise auf die Welt kam. Neben dem Kleinkind das Geschäft weiter zu führen, wäre etwas zu viel für mich gewesen, so arbeitete ich nach der Kleinkindphase stundenweise in Heinz`s Unternehmen mit.

2009 übernahmen wir beide das „Thonet Vienna“, ein Möbelgeschäft auf der Spittelwiese in Linz, und benannten es in „Spielwiese 3“. Die Geschäftsübernahme fiel unglücklicherweise in die Zeit der Wirtschaftskrise. Aus finanziellen Gründen betrieben wir es dann nur bis 2013. In dieser Zeit kristallisierte sich auch heraus, dass Heinz und ich uns beruflich und privat trennen werden.

 „So, was mache ich jetzt?!“

Da ich schon immer sehr gerne gekocht habe, reiste ich im Sommer 2013 für einen Monat nach England und besuchte südlich von London eine Kochschule. Das war eine sehr schöne Erfahrung. Allerdings merkte ich, dass ich lieber für meine Familie und für meine Freunde koche, statt das Kochen als Profession auszuüben.

„Was werde ich tun?“

Ich merkte, ich mag gerne Schönes und die Liebe zum Thema Wohnen war nach wie vor sehr präsent. Über eine Freundin erfuhr ich schließlich von einem einjährigen Programm des Arbeitsmarktservices, bei dem man sich mit einem Trainer auf das Gründen eines eigenen Unternehmens vorbereitet. Das war es, was ich wollte: ein eigenes Geschäft haben. Ich lies mich durch anfängliche Widrigkeiten nicht entmutigen und dachte mir:

Ich will das machen, was mir Spaß macht;

ich will meine eigene Chefin sein und ich schaffe das auch!“

So machte ich mich mit Hilfe und Unterstützung dieses Trainings und den Rückhalt von Freunden und Familie selbstständig.

Verena Weissmann Photography

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2. Wie alt warst du damals?

Tamara:

Ich gründete im November 2013 mein Unternehmen und war zu diesem Zeitpunkt 44 Jahre alt.

Von Heinz erhielt ich dann die Möglichkeit, in der Tabakfabrik eine Fläche für einen Concept Store als Untermieterin von seiner Geschäftsfläche zu mieten. Die Location hat mich gereizt, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob die Kund*innen die doch etwas von der Innenstadt abgelegene Lage aufsuchen würden.  – Doch sie kamen…

Anfang 2017 bekam ich dann die Nachricht, dass ich wegen verschiedener Umstände die Räume in der Tabakfabrik für den Salon Hochstetter nicht mehr mieten konnte.

Ich brauchte also bis Herbst 2017 neue Räume.

Es waren mehrere Ideen und Formen für Zusammenarbeit und „Coworking Räume“ da, jedoch merkte ich, dass sich diese Möglichkeiten für mich nicht richtig anfühlten.

Mein Kopf sagte „ja“,

– mein Bauch sagte: “mache dein eigenes Ding“.

Trotz Verzweiflung bekam ich in diesen Momenten der Veränderung ein ganz starkes Vertrauen in mich selbst. – Ich spürte:

Egal wie es kommt, es wird gut und richtig sein, so wie es kommt.“

– Und so vertraute ich, dass sich auch bezüglich Geschäftslokal etwas Neues auftun würde.

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3. Welche Möglichkeiten haben sich ergeben?

Tamara:

unsere Tochter Luise entdeckte am Schulweg, dass in der Herrenstrasse, gegenüber dem Domplatz, ein Geschäftslokal zur Vermietung ausgeschrieben war. Sie schickte mir eine Nachricht plus einem Foto des Geschäftes mit: „Mama, schau dir das an!“

So kam ich zu diesem Shop, abermals in der Herrenstraße.

Das Geschäftslokal ist früher jahrzehntelang ein Kosmetiksalon und Fußpflege Salon gewesen. Die Räume haben mich sogar bei der Erstbesichtigung an das Geschäft „H8“ erinnert,  obwohl hier der Geschäftsstyle aus den späten 70-er und 80-er Jahre gewesen war: dunkle Einrichtung und Wände in zyklam. Trotz meiner Bedenken, wie ich das finanziell stemmen könne und dem Wissen, dass sehr viel Arbeit auf mich zukommen würde, entschied ich mich für diesen Standort – ebenso entschieden der Vermieter und die Miteigentümer, die Räume an mich zu vermieten.

Ich machte mir selbst Mut und sagte zu mir:

Ach! – Das schaffst du schon!“

Meine Einstellung war, das alles sich für mich passend entwickeln würde. Und so war es dann tatsächlich: Der Vermieter, ein sehr sympathischer Mensch, war sehr entgegenkommend, die Miete schließlich für mich leistbar und dann ging die Renovierung – mit Hilfe von Freunden – auch schon los.

Teppichböden wurden herausgerissen, Textiltapeten abgelöst, eine abgehängte Decke installiert

– es war total viel Arbeit – doch in schwierigen und intensiven Situationen laufe ich scheinbar zur Höchstform auf; das hatte ich als Kind schon. – Ich bin dann immer ganz erstaunt, was ich alles in solchen Situationen auf die Beine stellen kann. Sogar jetzt, während der „Coronazeit“, denke ich mir – auch wenn vieles total schwierig ist:

Ich habe schon so viel geschafft – ich werde auch diese Situation meistern.

Tu das, was du immer machst, glaub an dich, sei aktiv, überlege dir, was du aus der Situation machen kannst und mache es einfach.

Hilf dir selber.“

Manchmal klappt das natürlich besser, manchmal weniger. Manchmal ist es gut, sich Unterstützung von Freunden dabei zu holen.

Kraftvoll und erfolgreich

Das Jahr 2017 war rückblickend für mich ein extrem kraftvolles und erfolgreiches – auch wirtschaftlich erfolgreiches – Jahr. Ich war stolz auf mich, unabhängig von einem Partner so viel geschafft zu haben. Es war wirklich das erste Mal, dass ich gemacht habe, was ich wollte und dabei die volle Entscheidungsfreiheit gehabt habe.

Man verliert sich oft in den Jahren als junge Frau.

Man hat eine Partnerschaft, Kinder, Familie … man versorgt … und weiß oft gar nicht mehr, was man kann und wer man selber ist. Ich war als Kind und junges Mädchen sehr selbstbewusst und trotzdem wusste ich in dieser „Familienphase“ nicht immer wo mein Platz war. Den „Salon Hochstetter“ zu führen, hat mich selbstbewusster gemacht. – Und ich lernte wieder, auf meinen „Bauch zu hören“.

Mittlerweile kann ich gut unterscheiden: was sagt der Verstand, der Kopf

und wann passt es auch für mein „Bauchgefühl“.

Ich kann immer besser benennen was ich wirklich will und das ist sehr befreiend, finde ich.

Ich glaube, das ist neben den vielen Erfahrungen, eine positive Nebenerscheinung des Älterwerdens.

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4. Wie würdest du den Satz ergänzen?

Older, but better and …

Tamara:

“… happier than ever before!“

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5. Welche Frau/ welche Frauengeschichte inspiriert dich besonders?

Tamara:

die Lebensgeschichte von Frida Kahlo hat mich sehr berührt und beeindruckt.

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6. Welcher Wunsch für die Zukunft kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du deinen Blick in die Ferne schweifen lässt?

Tamara:

ein Haus oder Appartement am Meer als Bed and Breakfast zu haben; irgendwo in Frankreich oder Apulien. Ich weiß, ein großer Traum…

–  und vielleicht ohne Lottosechser nicht zu erreichen…? 😉

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Danke liebe Tamara für das ehrliche Gespräch! – Und falls du einmal ein B&B-Haus haben solltest, ich komme dich bestimmt besuchen. – Bis dahin werde ich von Zeit zu Zeit in den Salon Hochstetter kommen, um ein paar schöne Sachen für zu Hause und Geschenke für andere zu kaufen und um nette Gespräche mit dir zu haben. DANKE!

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 Links: Salon Hochstetter

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Fotos Salon Hochstetter; handypics und Verena Weissmann

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