Mamas gezogener Apfelstrudel (plus Feuerzelten)

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Sobald die ersten Äpfel am Ende des Sommers reif wurden, gab es Apfelstrudel.

Auch heute noch stellt mir meine Nachbarin manchmal einen Kübel Äpfel vor die Tür. Und dann dauert es meistens nicht lange, bis ich Gusto auf Apfelstrudel bekomme (oder Apfelzelten; Rezept dazu siehe h i e r).

Zum Backen finde ich am besten leicht säuerliche Sorten. Besonders gut eignen sich sogenannte Lederäpfel wie der Boskoop. Ihre Schale gewinnt vielleicht keinen Schönheitspreis, dafür bringen sie genau jene Säure und Würze mit, die in einer Mehlspeise besonders gut schmeckt.

Und wenn schon Apfelstrudel, dann am besten gleich ein bisschen mehr davon machen. Denn was mittags als Mehlspeise auf den Tisch kommt, schmeckt am Nachmittag noch einmal – mit einer kleinen Portion Schlagobers und einer Tasse Kaffee.

Fast wie im Wiener Kaffeehaus.

Nur eben daheim.

typische Streuobstwiese im Oberen Mühlviertel

Gezogener Apfelstrudel – ein einfaches Grundrezept

Das Rezept ergibt einen Strudel. Wer genug Äpfel und hungrige Menschen am Tisch hat, bereitet am besten gleich die doppelte Menge zu.

Für den Strudelteig

  • 250 g Weizenmehl
  • 1 Prise Salz
  • ca. 125 ml lauwarmes Wasser
  • ein Schuss Essig
  • 30 ml Sonnenblumenöl
  • etwas Mehl für das Tischtuch

Für die Apfelfülle

  • 1 kg Äpfel, geschält und feinblättrig geschnitten
  • nach Geschmack eine Handvoll Rosinen
  • ca. 100 g zerlassene Butter
  • Zucker nach Geschmack
  • Zimt
  • einige Butterflöckchen
  • etwas Milch zum Aufgießen
    oder Obers, mit etwas Wasser verdünnt

Zubereitung

Strudelteig vorbereiten und ihm Ruhe gönnen

  • Mehl in eine Schüssel geben und mit einer Prise Salz vermischen.
  • Lauwarmes Wasser mit einem Schuss Essig versetzen und gemeinsam mit dem Öl zum Mehl geben.
  • Alles gut verkneten, bis ein glatter, geschmeidiger Teig entsteht, der sich von den Händen beziehungsweise vom Knethaken löst.
  • Den Teig auf einem bemehlten Brett zu einem glatten Laibchen formen.
  • Einige Tropfen Öl zwischen den Handflächen verteilen und die Oberfläche des Teiges damit einstreichen.
  • Mit einer Schüssel oder einem Küchentuch zudecken und mindestens 30 Minuten, besser 45 Minuten, rasten lassen.

Strudelteig ausziehen

  • Ein großes Tischtuch auf der Arbeitsfläche ausbreiten und gut bemehlen.
  • Die Butter in einer kleinen Kasserolle zerlassen.
  • Den Teig zuerst vorsichtig mit den Handrücken auseinanderziehen – ein wenig so, wie man es bei Pizzabäcker sieht.
  • Anschließend auf das bemehlte Tuch legen und den Rand nach und nach weiter ausziehen. Ich mache das mit einer Art Drei-Finger-Griff: Daumen an Daumen einmal rundherum – und dann wieder und wieder.
  • Den Teig so lange vorsichtig ausziehen, bis er hauchdünn ist.

bis man die Zeitung darunter lesen könnte.

Als kleine Inspiration siehe Instagram-Account von Astrid Lammarche. Astrid Lammarche ist eine Österreicherin die in den USA lebt und mit Strudelpostings und Knödelpostings Tausende von Follower:innen hat.

Und was passiert bei uns mit dem Teigrand? Feuerzelten!

  • Den etwas dickeren Rand des ausgezogenen Strudelteiges abschneiden und beiseitelegen.
  • Daraus später einen dünnen Fladen ausrollen.
  • In einer beschichteten Pfanne von beiden Seiten backen und einmal wenden.
  • Noch heiß mit Butter bestreichen und mit Kräutersalz bestreuen.

Meine Mutter legte den Feuerzelten direkt auf die heiße Herdplatte des Holzofens. Daher kommt wohl auch sein Name.
Bei uns wurde er gerne als kleine Vorspeise gegessen – manchmal zu einer Gemüsecremesuppe, manchmal einfach so.

Apfelstrudel füllen und backen

  • Das Backrohr vorheizen und eine Auflaufform darin erwärmen.
  • Etwas Butterschmalz in der warmen Form schmelzen lassen.
  • Den ausgezogenen Strudelteig mit zerlassener Butter beträufeln.
  • Die feinblättrig geschnittenen Äpfel darauf verteilen.
  • Nach Geschmack Rosinen dazugeben.
  • Mit Zucker und Zimt bestreuen.
  • Das Tischtuch auf einer Seite anheben und den Strudel mithilfe des Tuches vorsichtig einrollen.
  • Den Strudel behutsam in die befettete Auflaufform legen.
  • Einige Butterflöckchen darauf verteilen.
  • Bei mittlerer Hitze etwa 35 Minuten backen.
  • Nach ungefähr 15 Minuten etwas Milch oder mit Wasser verdünntes Obers angießen.
  • Den Strudel während der letzten fünf Minuten abdecken, damit die Hülle nicht zu knusprig wird.
  • Leicht mit Staubzucker bestreuen und warm servieren.

Eine Mehlspeise als Mittagessen

Wer mag, serviert dazu Vanillesauce oder eine kleine Portion Schlagobers.

Vorspeise: Gemüsesuppe mit Feuerzelten.

Hausgemachter Apfelstrudel mit selbst gezogenem Strudelteig – ein traditionelles Rezept mit säuerlichen Äpfeln und einer Erinnerung an die Mühlviertler Küche.

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Hausgemachter Apfelstrudel mit selbst gezogenem Strudelteig – auf handgemachten Tellern @textpoterie

Woran liegt der Reiz solcher Rezepte?

Sie bestehen nicht nur aus Mehl, Äpfeln, Butter und Zimt.

Da ist auch die Handbewegung, mit der der Teig ausgezogen wird. Das Tischtuch auf der Arbeitsplatte. Die heiße Herdplatte, auf der die Mutter den Feuerzelten gebacken hat. Der Duft nach Äpfeln und Zimt aus dem Backrohr.
Und die Hoffnung, dass noch ein Stück für den Nachmittagskaffee übrig bleibt.

Rezepte werden weitergegeben – und mit ihnen oft viel mehr als eine Anleitung zum Kochen.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum manche Gerichte nach Zuhause schmecken.

beim Apfelschälen für handgezogenen Apfelstrudel

Blick in die Küche – beim Apfelschälen für handgezogenen Apfelstrudel

 PS: Das Rezept entstammt aus meinem Buch “Nordkind und Bemwind“.

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