Older, but better, but older!

Aus dem Leben einer 50-jährigen Kreativunternehmerin.

Freie Assoziationen, wahre Begebenheiten und neue Ideen zu meinem 50-er.

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Mein Morgen hat heute ganz harmlos begonnen:

  • ich habe vor dem Haus Schnee geschaufelt,
  • bin mit den Hunden Gassi gegangen,
  • habe die kalte Winterluft genossen,
  • das Geräusch des Neuschnees unter meinen Füßen (die Hunde ebenso),
  • das am Horizont auftauchende Morgenrot in einem zartem Korall-Ton,
  • das ferne Vogelgezwitscher im Wald, das noch vom Winter und der Kälte erzählt, aber in mir schon Hoffnung auf den Frühling anklingen lässt…

Kommt der Frühling nach dem Lockdown (dem dritten)?

Vielleicht hoffen derzeit die Vögel ebenso wie wir Menschen auf den Frühling und einen Neustart “after corona”? Vielleicht sehnen sie sich ebenso nach einer Zeit, in der die Pandemie sich endlich verzieht oder ausschleicht (wo schleicht sie hin?); nach einer Zeit, in der die Gastgärten wieder gefüllt sind und alle so tun, als sei es eh ganz normal: beisammen zu sitzen, sich zu treffen, gemeinsam Zeit zu verbringen.

Vogerl und Menschen hoffen:

  • dass einem die Sonne bald wieder ins Gesicht scheint (auf die Federn),
  • man ohne Maske laut loslachen (loszwitschern) kann,
  • man gemeinsam ein Bier oder einen Aparol oder eine Kräuterlimo trinken kann (oder ein paar Tropfen aus der Regenlacke ohne Aerosole)
  • und dass vielleicht ein paar Bröserl vom Laugenstangerl (zum Bier) auf den Boden fallen. – Für die Vogerl, für den kleinen frechen Spatz.

Also das Leben ist wieder halbwegs normal. A.C. after corona.

Auch mit 50 darf man träumen.

Doch noch ist Winter, noch haben wir Lockdown 3.

Da ich heute wie gesagt, schon so aktiv gewesen bin (siehe oben), nehme ich mir den Schwung gleich mit ins Atelier und beginne es aufzuräumen. Was täte ich sonst?

Die Weihnachtsdeko kommt weg.

Sie hat diesmal sowieso sehr wenig ihren Zweck erfüllt, da meine Open Studio Days in 10 Tagen Quarantäne versunken sind. Nur ab und zu, wenn ich während der Weihnachtsfeiertage in den Schauraum gekommen bin, habe ich mich an der Deko erfreut – mit einem Seufzer (hilft ja doch, was soll´s, hilft ja doch nicht das Jammern). Unser Kater Nino erfreut die Deko scheinbar ebenso: er gibt sich halbherzig mit den trockenen Zweigen ein kurzes Gefecht. Die Mäuse draußen sind ja auch so fad: sie haben sich unter der Schneedecke in den tiefen Löchern der Erde versteckt. Die haben ebenso scheinbar einen Lockdown.

  • Also die Fichtenzweige und Stechpalmenblätter (Au! die stechen wirklich) und die verhutzelten Efeuranken schmeiße ich raus.
  • Die unverkaufte Weihnachtsedition von Christbaumanhängern und Geschenkeanhängern aus Porzellan wird in den Schrank geräumt und erst nächstes Weihnachten wieder raus geräumt.
  • Das Seidenpapier zum Einpacken wird neu sortiert und gestapelt,
  • die Arbeitsplatte, die noch staubig ist vom Porzellankneten, wird abgewischt. – Morgen werde ich von einer Journalistin interviewt werden; ein paar Fotos werden voraussichtlich ebenso im Atelier gemacht werden. Da will ich, dass das Atelier schön aufgeräumt ist.

Mir fällt ein, ich muss meinen Arbeitsoverall noch säubern (jedoch noch gerade soviel Dreck dranlassen, dass die Fotos von der Töpferin dann authentisch wirken. Es soll ja nach wirklicher Arbeit aussehen, das Töpfern. – Und um zu beweisen: das Arbeiten als Keramikerin ist dreckig, staubig und manchmal hart; – auf jeden Fall nicht immer  lustig.)

Ja und dann, das erste graue Haar:

Danach habe ich mir die Hände gewaschen, bin zufrieden über die getane Arbeit gewesen und habe flüchtig einen Blick in den Spiegel geworfen.

Da! An den Schläfen funkelt ein Haar. Es funkelt verdächtig silbern statt goldig. Ist es…? Ist es etwa das, was ich denke? Nein. Doch? Nein? Ist es ein Haar, das vom Sommer noch gebleicht ist? Es folgen gründliche Nachforschungen an meinem Haupt die bestätigen: mein Haaransatz ist dunkelblond, wie immer im Winter, doch dieses eine Haar ist vom Ansatz her hell. Sehr hell. – Es ist Silbergrau.

Ich entdecke also mein erstes weißes Haar.

„Echt jetzt!!!??“

Mit 30 das erste graue Haar zu entdecken ist…, naja, ich denke, da ist man noch jung und man steckt es locker weg. Es aber mit 50 zu entdecken, 4 Tage nach meinem Geburtstag, bestätigt: das Älterwerden ist unausweichlich.

Das weiße Haar wird zum Beweisstück, so wie die erwachsenen Söhne. – Die man scheinbar erst vor ein paar Jahren gestillt hat, oder denen man scheinbar gerade noch am Abend vor dem Schlafengehen ein Buch vorgelesen hat, oder mit denen man gerade noch das Fahren für den L17-Führerschein geübt hat. –Schweißgebadet gewesen ist und innerlich jedes Mal mit gebremst hat.

Das weiße Haar wird zum Beweisstück, dass sich das Leben nicht aufhalten lässt.

Auch durch einen Lockdown nicht wirklich.

Die Verhandlung

Beweisstücke kann man verschwinden lassen. Beweisstücke können vernichtet werden. – Ich reiße mir das Haar sofort aus und lasse es verschwinden. – Doch ich weiß: dieses Beweisstück wird irgendwann bald nachwachsen und mit ihm viele, viele andere. Das Altern lässt nicht mit sich verhandeln. Maximal lässt es sich ein wenig vertuschen.

  • wenn nichts mehr geht mit Schminke und Styling,
  • ansonsten mit den Klassikern wie:
  • Sport,
  • gesundem Essen,
  • wenig Alkohol, kein Nikotin,
  • viel Wassertrinken (ich hole mir schnell ein Glas Wasser, du auch?)
  • und viel Schlaf…

Euje,

…da fällt mir ein, dass ich nachts derzeit nicht so gut schlafe. Ich habe Schlafpausen. Pausen, in denen mir dann so fad wird, dass ich irgendwann vor lauter Fadesse wieder einschlafe; meist erst gegen den Morgen. – Das sei hormonell bedingt, habe ich mir von meiner Frauenärztin sagen lassen.

Ich überlege: „Hormonell bedingt“  – wann sagt man das?

„Hormonell bedingt“ sagt man zur Erklärung, wenn man sich der Ursache einer Gegebenheit nicht ganz so sicher ist:

  1. bei Menschen mit Pickeln in der Pubertät
  2. bei Zunahme nach der Pilleneinnahme
  3. bei schlechter Laune (hallo liebes PMS, du musst für einiges grade stehen, auch wenn du nichts dafür kannst)
  4. wenn das Schwanger Werden nicht gleich klappt,
  5. bei frühzeitigen Wehen
  6. bei Frühjahrsmüdigkeit
  7. … und bei Frauen mit Wechselbeschwerden.

Wechselbeschwerden … Warum fällt mir auch das jetzt noch ein!? Als würde ein weißes Haar nicht genügen.

(Nur so am Rande: Hormone sind eigentlich super cool. Sie beeinflussen so vieles: Gute Laune, Lust, Freude, schöne Haut, Haare, …)

Angst vor weißen Haaren oder Midlifecrisis, oder….?

Droht mir nun wegen einem weißen Haar die Midlifecrisis? Ich hoffe nicht. Es geht mir (trotz Lockdown 3) gut, ich habe noch viele Ideen und ich sehe Sinn in meinem Leben. Auch mit 50.

Außerdem gefallen mir weiße Haare auch bei Frauen sehr, sehr gut.

Raunze ich auf hohem Niveau? Wahrscheinlich.

– Auf alle Fälle: ich schreibe auch scheinbar gerne darüber 😉

… und mir kommt eine Idee:

Ich werde eine Blogreihe starten, bei der ich Frauen vorstelle, die um die 50 sind, trotzdem nicht raunzen, sondern noch etwas ganz Neues wagen, starten. Zum Beispiel:

  • ein Unternehmen gründen,
  • beruflich etwas ganz anderes machen als zuvor,
  • sich für jemanden und etwas (ehrenamtlich oder beruflich) einsetzen.

– Mit Engagement – trotz körperlichen Grenzen, mit Mut – trotz Zögern, mit Stil – trotz weißen Haaren.

Im Sinne von Caroline de Maigret:

Older, but better, but older!

Bist du dabei?

Hast du Interesse daran, solche Frauen kennen zu lernen? Hast du Ideen dazu? Kennst du jemanden, den ich vorstellen könnte?

Ich freue mich auf eine Antwort und auf Inspirationen von dir!

Herzlichst, Christine (50, mit weißen Haaren – is eh wurscht!)